Das Forbes Magazin thematisierte schon 2021 in einem richtungsweisenden Artikel zur digitalen Transformation in Datenzentren das Colocation-Modell.

Was hat es damit auf sich und welchen Mehrwert für Unternehmen bringt dieses Modell?

Von allen Hosting-Modellen ist Colocation das Modell mit der größten Flexibilität. Hard- und Software auf den beim Provider-Rechenzentrum eingelieferten Boxes/Blades können vom Geschäftskunden individuell installiert und vorkonfiguriert werden. Vorschaltete Probeläufe im unternehmenseigenen Testbed werden ermöglicht, die Maschinen sind bei Einlieferung bis auf die externen IP-Adressen bereits schlüsselfertig für den Online-Betrieb. Die Basis-Konfiguration über Remote-Konsole, (SSH-)Terminal und/oder Management-Software entfällt, da die Inhouse-IT des beauftragenden Unternehmens während der Installation Root-Zugriff auf Hardware und Systemkonsole hat.

Statista prognostizierte Anfang 2022 für das Colocation-Segment weltweite jährliche Zuwachsraten von (linearisiert) über 10 Mrd. USD. Dieses Wachstum wird voraussichtlich zu mehr Wettbewerb führen und sich für Unternehmen, die Colocation nutzen wollen, in Service-Qualität und attraktiven Tarifen positiv abbilden.

Leistungsmerkmale von Colocation

Da Server-Hardware und Business-Software vom Kunden bereitgestellt werden, reduzieren sich die Kernleistungen des mit Colocation beauftragten Providers/Rechenzentrums (RZ) auf

    • Physische Unterbringung des Geräts in einem Rack im RZ

 

    • Stromversorgung

 

    • Temperaturüberwachung/Kühlung

 

    • Netzwerkanbindung und Firewalling

 

    • Monitoring

 

    • Backup und Restore

Darüber hinaus muss für das beauftragende Unternehmen eine Remote-Management-Lösung geschaffen werden. Diese muss über den Funktionsumfang etwa von Secure Shell (SSH) hinausgehen. SSH setzt einen funktionierenden TCP/IP-Stack voraus, etwa zur Problemhebung während des Bootprozesses ist diese Methode also nicht generell anwendbar.

Professionelle Colocation-Anbieter wie WIIT stellen deshalb vom Netzwerkstack des eingebrachten Gerätes entkoppelte Konsolen-Lösungen zur Verfügung. Die Bildschirmausgabe des Gerätes wird dazu über gesicherte Netzverbindungen zum Kunden weitergeleitet, seine Tastaturanschläge werden über das Netzwerk an die USB oder PS/2-Schnittstelle des Gerätes geleitet. Dadurch kann das Gerät remote so gemanagt werden wie bei direktem physischem Zugriff auf die Systemkonsole.

Tarifstruktur

Beim Einsatz moderner, redundant ausgelegter Server-Hardware treten teure individuelle Serviceeingriffe in die Maschine in der Gesamtkostenbetrachtung in den Hintergrund. Führende Kostenfaktoren sind:

    • die vom RZ in Rechnung gestellten Stromkosten

 

    • und der angefallene Netzwerkdurchsatz.

Stromkosten

Kein kommerziell tätiges RZ reicht die Stromkosten effektiv zum Selbstkostenpreis durch, auch in Mischkalkulationen für Flatrates wird ein Aufschlag eingerechnet. Ob jener Aufschlag sich wirtschaftlich für das beauftragende Unternehmen rechnet, ist eines der harten K.-o.-Kriterien für die Entscheidung zwischen Inhouse-Hosting und Colocation.
Erster Schritt zur Kostenanalyse ist der Probetrieb des fertig installierten Geräts im unternehmenseigenen Testbed und Messung der Leistungsaufnahme bei Regelbetrieb und unter Vollast. Ohne diese Vorarbeit ist eine ökonomisch fundierte Entscheidung für/gegen Colocation respektive Colocation-Tarifauswahl nicht möglich.
Besonderes Augenmerk verdienen hierbei Compute-Knoten, für die übliche Kenngrößen für den (Web-)Serverbetrieb nicht zutreffen. Insbesondere ist bei rechenintensiven Anwendungen die Skalierung zwischen CPU- und GPU-Last oft nicht ex ante mit hinreichender Sicherheit vorhersagbar, somit auch nicht der Strombedarf.

Netzwerkdurchsatz

Bei netzintensiven Anwendungen wie dem Betrieb von Web- und Medienservern steigt die Bandbreite erfahrungsgemäß mit der Dauer des Betriebes. Je mehr eine Site genutzt wird, umso bekannter wird sie, umso mehr wird sie genutzt.
Der Tarif des RZ sollte deshalb dynamisch skalierbar sein, ohne jedoch im Fall von Lastspitzen die Kalkulation zu sprengen.

Flatrates entbinden von der täglichen Sorge um Lastspitzen, sind aber häufig so kalkuliert, dass sie bei Regelbetrieb deutlich teurer sind als volumenabhängige Tarife – auch das RZ will bei einer Flatrate keine Risiken eingehen.

Insgesamt ist festzustellen, dass nur Colocation-Provider mit einer skalierenden Tarifstruktur in Betracht gezogen werden sollten. Es gibt für nachhaltige, ökonomisch sinnvolle Unternehmenslösungen mit Colocation nicht den einen Tarif, der alle Anforderungen abdeckt.
Colocation ist immer Maßarbeit.